EDV – Schwerpunkt

Die Zukunft ist hier schon 25 Jahre Gegenwart

Im Schuljahr 1992/93 wurde die heutige „EDV“-NMS Ferdinandeum in Graz geboren. Aus einer Idee war innerhalb weniger Jahre am Ferdinandeum ein Schulmodell entwickelt worden, das in der steirischen Schullandschaft einzigartig ist. War es zu Beginn nur ein heißer Insidertip, gilt sie heute als erste Adresse für SchülerInnen und Eltern. Erstmals wurde an einer Pflichtschule Informatik als Pflichtgegenstand in allen Schulstufen unterrichtet. Dank eines wohldurchdachten Konzeptes ist es zusammen mit einem engagierten Lehrerteam gelungen den Schülern Informatik ohne zeitliche Mehrbelastung anzubieten. Über die reine Anwendung hinaus vermittelten wir ein breites Angebot an theoretischem Wissen und kritischer Betrachtung des Mediums Computer.

Mit dem Projekt „NMS+robots“ (Neue MINDT-Sequenzen mit Robotern, das von Dipl. Päd.in Sigrid Wozonig entwickelt und von IMST (Innovationen Machen Schulen Top) unterstützt wurde, startete an der EDV – NMS Ferdinandeum vor zwei Jahren eine völlig neue Form des MIN(D)T-Unterrichts: Mathematik, Informatik, Physik, (Deutsch) und Technisch Werken werden – anstatt wie bisher einzeln – nun teilweise in fächerübergreifenden Unterrichtssequenzen gelehrt. Die SchülerInnen lernen mit selbst gebauten und selbst programmierten Robotern, praxisnah und eigenständig, Probleme zu lösen.

Durch die Einbindung von Technikbildung in den regulären Schulunterricht gelingt es an der EDV – NMS Ferdinandeum Graz nicht nur Schülerinnen wie Schüler für den MINDT-Unterricht zu begeistern, ihr Interesse für technische Berufe zu fördern, ihnen echtes Basiswissen für eine Vielzahl technischer Berufe zu vermitteln, sondern es war auch möglich, Lego sondern auch Lego Education für eine langfristige Kooperation zu gewinnen. Die Fachkompetenz, das Engagement und die Beharrlichkeit einer Lehrerin machte eine kleine, städtische Neue Mittelschule und den Weltkonzern LEGO durch die Installierung eines LEIS (LEGO Education Innovation Studio) zu Partnern.

OECD- und PISA-Studien belegen, dass die Leistungen österreichischer SchülerInnen in Mathematik und in den Naturwissenschaften verbesserungswürdig sind. Sehr häufig korrespondiert die mangelnde Bildung in diesem Bereich mit pauschaler Ablehnung. Industrie und Wirtschaft klagen daher seit geraumer Zeit über das mangelnde Interesse unserer Jugendlichen für Technik und MINDT-Berufe. Das trifft im besonderen Maß auf Mädchen zu. Mit einer neuen Unterrichtsform und innovativen Unterrichtsmethoden zeigt die NMS EDV-Ferdinandeum erfolgreich Wege auf, die aus diesem Dilemma führen. SchülerInnen stellen sich in Teams und Gruppen Aufgaben, die sich an ihrer Lebenswelt orientieren. Fragen wie „Wozu brauch‘ ich das überhaupt?“ gehören der Vergangenheit an. Sie planen, entwerfen, bauen und vollziehen dabei Konstruktionsprozesse nach, die auch Wissenschaftler und Ingenieure anwenden. Die Programmierung ihrer Robotermodelle ähnelt der von computergesteuerten Maschinen in der Industrie. Die SchülerInnen vertiefen sich in Gleichungen mit Variablen, dem Umgang mit Maßangaben und Umrechnungen am Beispiel Strecke sowie den Einsatz von Kreisumfang und Gradmessungen. Sie lernen Beziehungen zwischen Größenangaben herzustellen und setzen sich mit linearen Gleichungen und Gleichungssystemen auseinander. Sie lernen Untersuchungen und Experimente zu entwickeln und zu planen, um Beobachtungen durchzuführen und Voraussagen zu überprüfen, aber auch die Ideenfindung im Team zu dokumentieren und zu optimieren. Mit Lernen durch Lehren, kooperatives Problemlösen und Erfahrungsaustausch spricht man Schülerinnen wie Schüler gleichermaßen an. Themen wie Kräfte und Wechselwirkungen, Kinematik und Mechanik, Statik, Bewegung und mehr werden für die SchülerInnen interessant, greif- und begreifbar.

Mit dieser praxisnahen Einbindung von Technikbildung in den regulären Schulunterricht erhalten Mädchen und Burschen echtes Basiswissen für eine Vielzahl technischer Berufe. Die SchülerInnen werden auf diese Weise nicht nur Job-fit, auch ihr Interesse für technische Berufe wird gefördert. So macht Schule Spaß und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich!

Dem nächsten (notwendigen) Schritt sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Das EDV-Ferdinandeum ist zu groß geworden. Die Anmeldezahlen steigen und wir können nicht alle SchülerInnen aufnehmen, die in unsere Schule wollen. Auch fehlen uns Unterrichts-, Gruppen- und Betreuungsräume. Für über 170 Kinder steht nur ein Stockwerk zur Verfügung. Nach 417 Jahren am Färberplatz, 26 Jahren „EDV als Pflichtgegenstand“ ist der Platz im Schulgebäude einfach zu eng geworden.

Aus diesem Grund hat die Stadt Graz beschlossen uns zu „übersiedeln“. Mit Beginn des Schuljahres 2019/20 werden wir in das Gebäude der jetzigen NMS St. Leonhard wandern. Diese Schule wird geschlossen und das EDV-Ferdinandeum wird die Basis des ersten „Digital Campus“ für Pflichtschulen in Graz. Zusammen mit einer neuen 12-klassigen Volksschule werden wir dort unseren EDV-Schwerpunkt in Richtung „Technik“ erweitern und noch effektiver führen können.